
Das Verhalten des Hundes ist oftmals nicht so wie der Hundehalter es gerne hätte. Da wird gegen andere Hunde gepöbelt, an der Leine gezogen, einfach nicht zur Ruhe gekommen.
Was macht der Hundehalter? Er geht in die Hundeschule, zu einem Hundetrainer. Der möge einem doch bitte Übungen zeigen bzw den Hund so trainieren, dass er das unerwünschte Verhalten nicht mehr zeigt. Und so wird mit unterschiedlichen Herangehensweisen an, bestenfalls mit, dem Hund trainiert und geübt. Es mag funktionieren, ja man kann sogar so trainieren, dass der Hund das unerwünschte Verhalten gar nicht mehr zeigt. Toll, oder? Ist es nicht das, was sich der Hundehalter gewünscht hat?
Ja und nein. Ja das Training als Management (wenn man sich jetzt auf unerwünschte Verhaltensweisen bezieht) funktioniert.
Nein, es führt meist nicht zu einem dauerhaftem Erfolg. Verhalten ist Kommunikation. Es ist ein Symptom, das uns zeigt dass Etwas nicht stimmt. Ein Symptom an dem man trainiert, wieder und wieder. Reines Management. Denn kann der Hund etwas nicht mit dem zuvor gezeigtem Verhalten ausdrücken, wird er früher oder später ein anderes, wohl für den Menschen wieder unerwünschtes Verhalten, zeigen. Und schon geht der Kreislauf aus Training etc wieder los.
Das Symptom wird behandelt, die Ursache leider nicht.
Gelöst wurde im Grunde genommen nichts, schon gar nicht auf Seiten des Hundes. Denn die Ursache des unerwünschten Verhaltens ist nach wie vor vorhanden. Leider kann diese sehr vielschichtig sein, ist nicht mal so eben durch eine Trainingseinheit zu lösen,erfordert Geduld und Durchhaltevermögen bei dem Hundebesitzer.
Unerwünschtes Verhalten hängt sehr oft von folgenden Faktoren ab:
– Gesundheit (abgebrochene Zähne, Analdrüsen, verspannte Muskeln, Magenprobleme, Schmerzen aller Art, Ohrenentzündungen, ernstere Erkrankungen).
Ein Hund der Schmerzen hat ist zB wohl nicht erfreut darüber, dass er von anderen berührt oder angerempelt wird. Und ja, ein Hund mit Schmerzen spielt dennoch gerne, macht die Dinge die ihm Freude bereiten. Weil hierbei entsprechende Hormone ausgeschüttet werden die das Schmerzempfinden zurücksetzen und teils sogar unterbinden.
– Unbefriedigte Bedürfnisse
Vor allem Hunde der Gebrauchsrassen brauchen eine sinnvolle Beschäftigung. Welche? Das ist individuell, sollte jedoch nicht die Wünsche des Menschen befriedigen sondern die des Hundes. Ist der Hund unausgelastet sucht er sich eben selbstständig seine Beschäftigung oder ist einfach ‚sauer‘, nicht gut drauf und lässt das an seiner Umgebung aus.
– Ruhe
Hunde die aus dem Tierschutz kommen, brauchen vor allem anfangs Ruhe. Sie müssen in den ersten Wochen nicht gleich die ganze Welt kennen lernen, in die Hundeschule geschliffen werden, auf alle möglichen Kommandos hören.
Das Anfangs kann sich je nach Hund durchaus länger hinziehen. Haben diese Hunde nicht die Möglichkeit in Ruhe anzukommen, kann es bereits am Anfang zu Verhaltensauffälligkeiten kommen. Die sich dann leider oftmals auch manifestieren.
– Stimmungsschwankungen, häufig ausgelöst durch hormonelle Schwankungen
Für die läufige Hündin sind auf einmal alle anderen Hündinnen das Feindbild Nummer eins. Für den pubertierenden Rüden andere Rüden Konkurrenz die ‚bekämpft‘ werden muss.
– Falsche Ernährung
Unerwünschtes Verhalten beim Hund (wie Aggression, Angst, Zerstörung, Unsauberkeit) hat also meist tieferliegende Ursachen, darunter Stress, Langeweile, mangelnde Auslastung, schlechte Sozialisierung oder gesundheitliche Probleme, aber auch menschliches Fehlverhalten wie Überforderung oder falsches Training.
Lediglich ein Training an dem Problemverhalten wird zu keiner langfristigen Besserung führen. Es bekämpft scheinbar die Symptome jedoch nicht die Ursache.
Reines Managementtraining kann jedoch unterstützend eingesetzt werden, damit allein schon beim Hundehalter die emotionale Last verringert und dem Hund etwas von seinem Stress genommen wird. Wer es schafft ein sinnvolles Alternativverhalten (ein erwünschtes Verhalten, das an Stelle des unerwünschten Verhaltens gezeigt wird) hat zumindest schon mal eine Tür geöffnet um seinen Hund ansprechbarer zu machen und ihm das Leben zu erleichtern.
Wichtig zu wissen ist, dass Hunde kein Verhalten „für uns Menschen“ zeigen. Ihr Verhalten ist an die Details der jeweiligen Situation (Gesamtheit aller inneren und äusseren Reize) gebunden. Wenn Hunde also Verhaltensweisen zeigen, die uns stören, die problematisch oder sogar gefährlich sind, geht es ihnen nicht darum, sich an uns Menschen zu rächen oder anderweitig in die Verzweiflung zu treiben.
Bei Problemverhalten ist ein Gehorsamstraining deshalb fehl am Platz. Notwendig wird ein verhaltenstherapeutisches Training eventuell verbunden mit medizinischer Unterstützung.